Kategorie: 🌑 Schatten und Heilung

Wir wollen das Leben nicht erzwingen – nur verstehen

Ahab, Manifestieren & die Psychologie der Kontrolle in Moby Dick

Lesedauer: 5 Minuten

1. Einstieg

Es gibt diese Momente, in denen wir etwas so sehr wollen, dass es unser ganzes Denken einnimmt. Und plötzlich fragen wir uns: Ist es das überhaupt wert?
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, und dann fragst du dich trotzdem, warum es sich innerlich nicht richtig anfühlt.

2. Kontext

Besonders in Übergangsphasen neigen wir zu Selbstzweifeln. Wir lösen uns von dem Alten und wissen noch nicht, was das Neue bringt. Und wir wünschen uns so sehr, dass wir unser Ziel erreichen, glücklich werden, ein gutes Leben haben. 

Aber niemand verspricht es uns. Niemand sagt uns, dass alles gut wird, weil es niemand garantieren kann. Dem Unbekannten zu vertrauen ist nicht nur schwierig – es kann einem Angst machen.
Vielleicht ist das der Moment, in dem Manifestieren für viele von uns eine besondere Anziehung bekommt.

3. Tiefenanalyse

Die Psychologie hinter Ahabs Überzeugung und Kontrolle
Schauen wir uns Ahabs Reise einmal genauer an. Ahab weiß genau, was er tun wird, wenn er den Wal findet. Er kennt sein Ziel in- und auswendig. Er weiß, wie er den Wal besiegt. Jedes Detail ist genauestens geplant. Er stellt es sich bildhaft vor – er visualisiert. Was durchaus funktionieren kann, ist hier jedoch auf die Spitze getrieben. Denn das Gefühl, dass das Erreichen seines Ziels in ihm auslöst, ist Genugtuung und Rache. Zwei Gefühle, die abhängig von Moby Dick sind, nicht von Ahab selbst. Ich denke, ein Ziel sollte sich eher nach Verbundenheit und innerer Ruhe anfühlen – nicht nach Druck oder Wut.

Glaube, Manifestieren und die Illusion von Kontrolle
Ahab begegnet auf seiner Reise zahlreichen Kapitänen, die ihn vor Moby Dick warnen. Doch Ahab ignoriert sie. Warum begibt er sich freiwillig in Gefahr? Besonders in dem letzten Drittel des Buchs wird dem Leser immer klarer, wie überzeugt er von seinen Fähigkeiten ist. Er lässt sich von Walfängern, die Moby Dick nicht besiegt haben, nichts sagen. Logisch betrachtet ergibt das zwar Sinn, denn warum sollten wir von jemandem Ratschläge annehmen, der das Ziel nicht erreicht hat? Sein Glaube macht ihn jedoch blind. Er möchte die Gefahr nicht sehen, da er sie nicht kontrollieren kann. So erreicht Ahab sein Ziel nicht trotz, sondern auf Kosten von Beziehung, Identität und Leben.

Warum Intention wichtiger ist als das Ziel
Er geht gemeinsam mit Moby Dick unter. Sein Schiff sinkt, die Crew mit ihm. Was ist schiefgelaufen? Sein verbissener Wille sich gegen jede Gewalt durchzusetzen, jeden Faktor zu bestimmen und vor allem, sein und das Leben der Crew aufs Spiel zu setzen führen letzten Endes dazu, dass er nicht mehr zwischen gut und schlecht unterscheiden kann. Er prüft nicht, was er da verfolgt. Hinterfragt nicht das Motiv und handelt aus negativen Emotionen heraus. 
Auf der Reise zum Ziel dürfen wir neue Wege nehmen, uns umentscheiden, uns ändern. Vor allem aber, dürfen wir unsere Identität nicht verlieren. Wir bestimmen über das Ziel, nicht das Ziel über uns.

 

4. Was bedeutet das für dich?

Vielleicht bist du nicht so besessen von einem lebensgefährlichen Ziel wie Ahab.
Vielleicht hältst du aber an einer Vorstellung fest, weil sie dir Sicherheit gibt.
Sicherheit bedeutet aber nicht, dass die Vorstellung, die du hast, richtig für dich ist. Wir manifestieren, weil wir ein Ziel erreichen wollen. Doch ist es wirklich dein Ziel? Vielleicht hältst du an einem Ziel fest, weil dir jemand sagt, das sei richtig. Das macht man so. Man macht eine Ausbildung. Man geht studieren. Man muss Karriere machen, um sich ein gutes Leben leisten zu können. Und dann versuchst du dieses Ziel zu erreichen, schreibst gute Noten, machst dein Abitur, nur um zu erkennen, dass du dich irgendwie … verloren fühlst. 

Du weißt nicht, wer du werden möchtest. Und das ist vollkommen okay.

Du brauchst Zeit, möchtest aber Sicherheit. 
Sicherheit, dass alles gut wird. 
Sicherheit, dass du glücklich sein wirst.
Sicherheit, dass du ein gutes Leben führen wirst.

Ahab durchsegelt alle Ozeane, Jahre vergehen, bis er Moby Dick wieder zu Gesicht bekommt. Er verpasst ihn, sucht ihn erneut. Denn sein Glaube ist stark. Seine Mannschaft erleidet Schicksals-Schläge, sie verlieren den Glauben, Ahab nicht. Er gibt nicht auf – aber er prüft auch nie, ob das Ziel wirklich seins ist. Ob es sein Leben wert ist.

Deswegen ist es wichtig, die Absicht zu kennen. Dein warum. Was treibt dich an, was für ein Gefühl gibt dir dein Ziel? Es soll sich schließlich gut anfühlen, nicht zwanghaft.

 

5. Perspektivwechsel

Manifestation ist vielleicht weniger das Erzwingen eines Ereignisses – und mehr das Erlauben eines Weges.
Nicht umsonst macht den Großteil des Buches die Jagd nach dem Wal aus, nicht das Erreichen des Ziels. Es geht um die Reise, den Weg.
Das dürfen wir uns abgucken. Vielleicht ist der Sinn vom Manifestieren nicht, das Ziel zu erreichen, sondern uns in die Person zu verwandeln, die sich selbst vertraut, egal, wohin der Weg führt. Die Person zu werden, die an sich selbst glaubt. 

 

6. Abschluss: Nachklang

Ich sage dir nicht, dass du dich auf das nächste Schiff setzen und durch die Weltmeere segeln sollst, um herauszufinden, was du möchtest.
Wobei daran nichts falsch ist.
Aber ich hoffe, dass ich dir ein gutes Gefühl geben konnte. Wünsche von heute können morgen schon ganz anders aussehen. Wir sind Menschen. Wir verändern uns. Wir wachsen. Was sich noch vor einem Jahr richtig angefühlt hat, mag sich heute falsch anfühlen. Lass dich nicht entmutigen.

Ziele machen uns zu dem Menschen, der wir sein wollen, solange es deine Ziele sind. Manifestieren ist eine Reise und Diese beginnt mit dem ersten Schritt und hat womöglich gar nichts mit dem Erreichen des Ziels zu tun. Sondern mit dem Weg, den du zurücklegst.
Was würde passieren, wenn du dein Ziel einen Moment lang loslässt –
nicht um aufzugeben, sondern um zu spüren, ob es dich noch trägt?

 

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